Einkommenssteuer legal vermeiden: Steuersysteme verstehen

Wer seinen Lebensunterhalt erwirtschaftet, ohne an einen Ort gebunden zu sein, wird seinen Lebensmittelpunkt in aller Regel nach einer ganzen Reihe persönlicher Kriterien auswählen. Nicht jeder ist an seiner Minimierung seiner persönlichen Steuerbelastung interessiert, die meisten sind es aber eben doch, wenn sie tatsächlich die freie Auswahl haben. Aber wie beseitigen wir unsere Pflicht, Einkommenssteuer zu zahlen, auf legale und rechtssichere Weise? Welche Optionen stehen uns zur Verfügung, wenn wir unser persönliches Einkommen steuerfrei vereinnahmen, investieren oder verkonsumieren wollen? In diesem Artikel verschaffen wir uns einen Überblick über die Besteuerung natürlicher Personen in der Welt.

Die steuerliche Ansässigkeit

Der erste Orientierungspunkt, wenn wir unsere Steuerpflicht ermitteln wollen, ist Art. 4 des OECD-Musterabkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung, welcher Kriterien für die Feststellung der steuerlichen Ansässigkeit enthält. Praktischerweise gleicht die Logik des OECD-MA derjenigen, die wir aus dem deutschen Steuerrecht kennen. Das zentrale Kriterium zur Zuordnung der persönlichen Steuerpflicht ist der Wohnsitz beziehungsweise gewöhnliche Aufenthalt, wobei inländischen wirtschaftlichen Interessen ein besonderes Gewicht zukommt. Wir können für unsere Zwecke jedenfalls festhalten: für die Verortung unserer Einkommenssteuerpflicht kommt es auf den gewöhnlichen Aufenthalt an. Diesen müssen wir also dahingehend optimieren, dass wir uns legal aus jeglicher Einkommenssteuerpflicht befreien.

Das OECD-Musterabkommen hat keine eigene Geltungskraft, es bildet lediglich die Grundlage für bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen. Nur diese binden die unterzeichnenden Staaten im Verhältnis zueinander juristisch. Es ist allerdings nicht übertrieben, zu sagen, dass das OECD-MA wegen seiner rein quantitativen Relevanz die wichtigste einzelne Rechtsquelle im internationalen Steuerrecht darstellt.

Bei der Ermittlung der Steuerpflicht nach dem gewöhnlichen Aufenthalt gilt es allerdings, eine wichtige Ausnahme zu beachten.

Besteuerung nach Staatsbürgerschaft

Zunächst einmal müssen wir feststellen: Steuerfreiheit durch Verlegung des Wohnsitzes beziehungsweise gewöhnlichen Aufenthaltes kann nur dann erlangt werden, wenn diesem Kriterium kein anderes vorgeht. Dies kann nach nationalem Recht durchaus der Fall sein. Hierbei ist in erster Linie an die Besteuerung nach Staatsbürgerschaft zu denken, welche die Verlegung des Wohnsitzes bei Anwendbarkeit unbeachtlich macht.

USA

In den Vereinigten Staaten von Amerika wird die Einkommenssteuer auf zwei Ebenen erhoben: auf der Ebene des Staates und auf der Ebene des Bundes. Die Einkommenssteuerpflicht auf Ebene des Staates entfällt, wenn man in keinem Bundesstaat der USA ansässig ist. Die Einkommenssteuerpflicht auf Bundesebene allerdings entfällt niemals, solange man Staatsbürger der USA ist. Amerikanische Staatsbürger sind grundsätzlich zur Abgabe von Steuererklärungen gegenüber der Bundessteuerbehörde IRS verpflichtet. Außerdem sind sie von diversen Vorschriften zur finanziellen Überwachung durch die Bundesbehörden betroffen, allen voran von den FATCA-Informationsabkommen, mit welchen die USA bilateral die Herausgabe von Informationen über Auslandskonten amerikanischer Staatsbürger regeln. Auch wenn die Steuerlast im Ausland ansässiger Amerikaner in aller Regel geringer ist (etwa durch den erhöhten Grundfreibetrag von $ 100,000 pro Jahr) als jener, die auf US-Staatsgebiet ansässig sind, bleiben sie dennoch steuer- und auskunftspflichtig. Gestaltungsmöglichkeiten haben Amerikaner in erster Linie durch die intelligente Nutzung des Puerto Rico Incentives Code 60, mit dem die USA Investitionskapital in den strukturschwachen Bundesstaat Puerto Rico umlenken wollen. Wohlhabende Amerikaner, die sich in Puerto Rico niederlassen (Substantial Presence Test ist das Kriterium), können ihre Steuerlast nochmals beträchtlich senken, indem sie von diversen Ausnahmen und Vergünstigungen aus dem sogenannten Act 60 Gebrauch machen. Sich von der Einkommenssteuerpflicht – und insbesondere von der Auskunftspflicht gegenüber der IRS – gänzlich zu befreien, ist für Amerikaner allerdings nur unter Aufgabe der Staatsbürgerschaft möglich. Um diese vollziehen zu können, ist der Kauf eines Zweitpasses eine valide Alternative. Beliebte Citizenship by Investment-Programme bieten etwa Palau, St. Lucia, St. Kitts and Nevis oder Zypern an.

Eritrea

Eritrea erhebt auf das Einkommen aller seiner Staatsbürger eine flat tax von 2 %, unabhängig davon, wo diese sich aufhalten und aus welcher Quelle sie ihr Einkommen beziehen. Da Eritrea allerdings weder hinreichende Ressourcen noch hinreichenden internationalen Einfluss hat, um steuerlich relevante Informationen aller Auswanderer zu erfassen, ist die Durchsetzung sehr lückenhaft.

Wer sich allerdings darauf stützt und bewusst seine Pflichten gegenüber Eritrea vernachlässigt, muss sich darüber bewusst sein, dass er sich im illegalen Bereich bewegt. Wird nun also ein Staatsbürger Eritreas wirtschaftlich sehr erfolgreich und zieht somit einen besonderen Fokus der Steuerbehörden auf sich, kann sich dies rächen. Sich in steuerrechtlichen Graubereichen zu bewegen, ist grundsätzlich nicht empfehlenswert. Auch Staatsbürgern Eritreas bleiben also im Wesentlichen die Möglichkeit, ihre Staatsbürgerschaft aufzugeben, oder die Steuern ihres Heimatlandes zu bezahlen. Angesichts der marginalen Höhe des Einkommenssteuersatzes erscheint dies im Falle Eritreas – anders als im Falle der USA – als eine im Regelfall erträgliche Alternative.

Im Falle Eritreas muss man sich allerdings ernsthaft fragen, ob es moralisch vertretbar ist, eine brutale Militärdiktatur mit auch nur einem Cent an Steuergeldern weiter zu füttern. An diesem Fall zeigt sich eindrucksvoll die Absurdität der Behauptung, dass Steuervermeidung moralisch schlecht sei. Steuererhebung ist moralisch schlecht. Steuervermeidung ist berechtigte Notwehr. Und im Gegensatz zur Steuerhinterziehung ist sie sogar legal.

Myanmar

Myanmar (früher: Burma) knüpfte die Steuerpflicht bis 2012 an die Staatsbürgerschaft. Im Jahr 2012 wurde das Steuerrecht des Landes jedoch grundlegend reformiert. Myanmar wendet nun die Residenzbesteuerung auf das Welteinkommen seiner ständigen Einwohner (Staatsbürger und Ausländer) an. Der Steuersatz auf Kapitalerträge beträgt 10 % und sieht keine Progression vor (flat tax), während der Steuersatz auf Arbeitseinkommen einer Progression von 1 % bis 25 % unterliegt.

Auch in Myanmar fließen die Steuern an eine brutale Militärregierung, die mit diesen Mitteln unter anderem den Völkermord an den Rohingya vorantreibt. Steuern sind also der Preis für eine zivilisierte Gesellschaft?

Ungarn

Auch Ungarn änderte sein Steuerrecht im Jahr 2012. Ungarische Staatsbürger sind seitdem aufgrund ihrer Staatsbürgerschaft immer in Ungarn steuerpflichtig. Die Steuerpflicht für Staatsbürger, die ihren steuerlichen Wohnsitz nicht in Ungarn haben, beschränkt sich allerdings auf Einkommen aus ungarischen Quellen. Das Besteuerungsrecht kann durch von Ungarn geschlossene Doppelbesteuerungsabkommen ausgeschlossen werden. Die beschränkte Steuerpflicht ungarischer Staatsbürger unterscheidet sich von der beschränkten Steuerpflicht in Deutschland insofern, als beschränkt steuerpflichtige Personen in Deutschland lediglich das Einkommen versteuern müssen, welches sie mittels innerhalb von Deutschland belegenen Vermögenswerten erzielen: Beteiligungen an Kapitalgesellschaften, Gewerbebetriebe, Rentenansprüche, Vermietung oder Verpachtung von Immobilien. Wer allerdings mit seinem gesamten Betrieb im Ausland ansässig ist und seine Rechnungen von dort stellt, muss das so erzielte Einkommen nicht in Deutschland versteuern. Dies wäre in Ungarn anders, wenn die Rechnung an einen in Ungarn ansässigen Kunden geht. Die ungarische Besteuerung nach Staatsbürgerschaft hat insofern einen weiteren Anwendungsbereich als die beschränkte Steuerpflicht in Deutschland und vielen anderen europäischen Rechtsordnungen. Für ungarische Staatsbürger, die den ungarischen Markt bedienen, hat sie durchaus erhebliche Bedeutung.

Residenzbesteuerung

Liegt der Sonderfall der Besteuerung nach Staatsbürgerschaft nicht vor, bewegen wir uns im gängigen Paradigma der Besteuerung: der Residenzbesteuerung. Steuerpflichtig ist eine natürliche Person demnach dort, wo sie ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat. Der Umfang der Steuerpflicht kann dabei allerdings ganz unterschiedlich aussehen. Innerhalb der Residenzbesteuerung müssen wir daher nochmals drei unterschiedliche Steuersysteme voneinander abgrenzen.

Länder ohne Einkommenssteuer

Zunächst einmal ist es denkbar, dass ein Land zwar auf internationaler Ebene das Besteuerungsrecht hat, de facto aber schlicht und ergreifend keine Steuern auf das Einkommen natürlicher Personen erhebt. Wenn ich also in einem solchen Land meinen steuerrechtlichen Wohnsitz habe, bin ich theoretisch zur Zahlung der Steuern nach dem Recht dieses Landes verpflichtet. Mangels Steuergesetzen wird von diesem theoretisch vorhandenen Besteuerungsrecht, welches dem Land kraft internationalem Steuerrecht zufällt, kein Gebrauch gemacht. Mit dem Ziel legaler Steuervermeidung vor Augen ist dies natürlich der Optimalfall: wir haben einen eindeutigen, rechtssicher nachweisbaren Steuerwohnsitz, doch unsere Steuerpflicht liegt trotzdem bei null. Einen Haken hat die Sache selbstverständlich: jene Staaten, die überhaupt keine Einkommenssteuer verlangen, sind in der Regel relativ spezielle Staaten, die entweder wenig zu bieten haben, exorbitante rechtliche Hürden setzen, oder einem durch das politische System, die Geographie oder die Bevölkerungsstruktur kein normales Leben ermöglichen.

Zu den Anhängern dieses Besteuerungsparadigmas zählen:

    • Antigua und Barbuda, St. Kitts und Nevis, die Kaimaninseln, Bahamas, Bermuda und Vanuatu: isolierte Inselstaaten, die teilweise recht wohlhabend und in puncto Kriminalität durchaus sicher sind. In der Karibik und im Südpazifik gibt es noch eine Reihe weiterer Inselstaaten ohne Einkommenssteuern, für die im Wesentlichen ähnliche Erwägungen wie für die hier genannten gelten. Die Karibik kann im Allgemeinen als die beste Anlaufstelle für einen steuerfreien Wohnsitz betrachtet werden, auch da diverse Nullsteuerländer hier Citizenship by Investment oder zumindest Investorenvisa anbieten. Wesentliche Nachteile sind die abgeschiedene Lage, welche mit geringerer Mobilität und Produktverfügbarkeit einhergeht. Ein Wochenende mit der Familie oder den alten Freunden wird so schnell zum aufwendigen Großprojekt. Außerdem ist, gerade in der Karibik, die Gefahr von Naturkatastrophen wie Hurricanes oder Seebeben nicht zu unterschätzen.
    • Saudi-Arabien, Oman, Bahrain, Kuwait, Katar, Vereinigte Arabische Emirate: die überwiegend autoritär regierten Golfstaaten bieten dank ihrer einzigartigen Spielart des Sozialismus, in welcher sich der Staat unmittelbar über die Öl- und Gasförderung finanziert, ebenfalls Steuerfreiheit. Ob die Steuerfreiheit die zahlreichen Einschränkungen in Sachen persönlicher Freiheit, Menschenrechte und Lebensqualität (die Staaten bieten nicht viel mehr als Wüste und seelenlose Kopien westlicher Großstädte) aufwiegt, ist hochgradig fraglich.
    • Monaco: Ein vollkommen überalterter Zwergstaat. Wer eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erlangen will, muss eigenen Wohnraum vorweisen, sprich: zu den enormen ortsüblichen Preisen kaufen oder dauerhaft mieten, können. Wenn man ein langweiliges, gleichförmiges Leben im Luxus schätzt, ist Monaco eine Option. Muss man halt mögen.
    • Vatikan: Ja, auch der Papst zahlt keine Steuern. Und das vollkommen legal. Ein Wohnsitz im Vatikan ist allerdings, sofern überhaupt möglich, allenfalls etwas für sehr spezielle Geschmäcker.
    • Somalia: Somalia hat die einstmals horrenden Einkommenssteuern abgeschafft, um die Massenabwanderung der Gebildeten und Produktiven aus dem Land in den Griff zu bekommen. Diese Einsicht kam zu spät, um den Kollaps des Staates zu verhindern. Interessanterweise ist der Lebensstandard der breiten Masse der Bevölkerung in Somalia seit dem Zusammenbruch des Staatswesens gestiegen. Da wir hier allerdings immer noch von einem Anstieg auf niedrigem Niveau reden, ist Somalia als Wahlheimat für die meisten Menschen vermutlich eher fernliegend.

Wer einen steuerfreien Wohnsitz sucht, wird also am ehesten in Monaco oder in der Karibik fündig. Die meisten anderen Nullsteuerländer haben als persönlicher Wohnsitz so große anderweitige Nachteile, dass sie nicht wirklich als relevant gelten können. Nachdem wir diesen sehr speziellen Kreis der Staaten ohne Einkommenssteuer begutachtet haben, wenden wir uns nun den Staaten zu, die von ihren Einwohnern Einkommenssteuern verlangen.

Welteinkommensprinzip

Das häufigste Besteuerungsparadigma innerhalb der Residenzbesteuerung ist das Welteinkommensprinzip. Dieses wird unter anderem von allen Staaten der Europäischen Union, darunter auch Deutschland, angewendet (wobei es hier in Malta, Zypern, Irland und Österreich gewisse Einschränkungen gibt). In einem Residenzsteuersystem nach dem Welteinkommensprinzip müssen diejenigen, die in einem Staat als steuerlich ansässig gelten (aufgrund eines Wohnsitzes oder gewöhlichen Aufenthaltes), ihr gesamtes persönliches Einkommen unabhängig von dessen Quelle versteuern. Neben den Staaten der EU wird das Welteinkommensprinzip auch von

    • Allen anderen Ländern Europas mit Ausnahme von Gibraltar sowie bedingter Ausnahme von Georgien, San Marino und Moldau,
    • den meisten Ländern Asiens,
    • Australien, Neuseeland, dem Vereinigten Königreich und Kanada,
    • den USA, soweit es Ausländer betrifft,
    • von den meisten Ländern Afrikas,
    • sowie von Brasilien, Chile, Argentinien, Mexiko, Kolumbien, Peru, Honduras, Suriname und Guyana

angewendet. Es handelt sich um das häufigste Steuersystem der Welt, welches für die Zwecke legaler Steuervermeidung aber zugleich denkbar schlecht geeignet ist. Zwar sind einige Länder, die das Welteinkommensprinzip anwenden, durchaus attraktiv, da sie moderate Steuerlast mit hohem Lebensstandard verbinden. Für das

Territorialsteuerprinzip

Wir bewegen uns weiterhin im System der Residenzbesteuerung, legen nun aber ein anderes Prinzip zugrunde, um das steuerbare Einkommen zu bestimmen. Während bei Anwendung des Welteinkommensprinzips die Quelle des erzielten Einkommens einer Person unbeachtlich ist und immer zum steuerbaren persönlichen Einkommen zählt, werden bei Anwendung des Territorialsteuerprinzips bestimmte oder sogar alle Arten von Einkommen, die aus Quellen außerhalb des Wohnsitzstaates stammen, bei der Ermittlung des steuerbaren Einkommens außen vor gelassen. Sie sind somit steuerfrei. Und das vollkommen legal.

Es ist gefährlich, pauschal mit dem Begriff Territorialsteuerprinzip um sich zu werfen. Denn auch die Länder, die dieses Prinzip anwenden, haben unterschiedliche Steuergesetze und somit unterschiedliche Definitionen von „Auslandseinkommen“ und „Inlandseinkommen“. In vielen Fällen kommt es allerdings schlicht und ergreifend auf die Quelle des vereinnahmten Geldes an, also auf die Ansässigkeit der zahlenden Person oder die Belegenheit des zinstragenden Vermögensgegenstandes.

Ein Land mit Territorialbesteuerung kann ein Freifahrtsschein zur legalen und rechtssicheren Steuerfreiheit sein. Dazu muss das Steuerrecht des jeweiligen Landes allerdings richtig verstanden und angewendet werden. Da kaum ein Land ein solches Monster von einem Steuerrecht hat wie Deutschland, ist dies meist auch realisitsch und zumutbar – erfordert aber Augenmerk. Zu den Ländern, die das Territorialsteuerprinzip anwenden, gehören:

    • Panama, Costa Rica, Nicaragua, El Salvador, Belize und Guatemala,
    • Kuba* und die Dominikanische Republik,
    • Ecuador, Paraguay und Uruguay*,
    • Taiwan, Singapur, die Philippinen, Bhutan, Malaysia und Thailand,
    • Hong Kong und Macau,
    • Georgien*,
    • Moldau* und Gibraltar,
    • Mikronesien, Palau und die Marschallinseln,
    • Botswana und Namibia.

*in diesen Ländern gilt das Territorialsteuerprinzip mit Einschränkungen, Einkommen aus ausländischen Quellen kann teilweise steuerbar sein.

Der Begriff des Territorialsteuerprinzips wird teilweise missverständlich verwendet: von einigen Rechtsordnungen wird behauptet, sie würden es anwenden, weil das Prinzip der Territorialität zur Bestimmung der steuerpflichtigen Personen verwendet wird (etwa in Angola, Djibouti, Jordanien, Syrien oder im Libanon). Dieses Prinzip stellt auf den Standort einer Person oder eines Unternehmens ab, nicht auf die Quelle des Einkommens. Es besagt somit nichts anderes als das System der Residenzbesteuerung im Allgemeinen, der Unterschied ist rein terminologischer Art. Die betreffenden Staaten wenden meist das Welteinkommensprinzip an und eignen sich nicht als steuerfreier persönlicher Wohnsitz.

Einer der beliebtesten Standorte mit Territorialsteuersystem ist der zentralamerikanische Staat Panama. Für Panama sprechen neben dem Steuersystem auch viele weitere Gründe: persönliche und unternehmerische Freiheit, ein hoher Lebensstandard inklusive hervorragender medizinischer Versorgung, Sicherheit, politische und klimatische Stabilität sowie eine sehr freundliche und einladende Kultur. Das Steuersystem Panamas ist allerdings auch eines der benutzerfreundlichsten Territorialsteuersysteme der Welt, da es vergleichsweise einfach und transparent ist und außerdem jede Art von Einkommen mit ausländischer Quelle von der Einkommenssteuer befreit. Dies gilt sowohl für natürliche als auch für juristische Personen, die in Panama ansässig bzw. registriert sind. Auch lokale Unternehmen können Zahlungen aus dem Ausland steuerfrei vereinnahmen. In Panama gibt es außerdem keine Kapitalertragsteuer, keine Erbschafts- oder Schenkungssteuer und eine sehr niedrige Umsatzsteuer, von der die meisten relevanten Produkte ohnehin vollständig ausgenommen sind. Der Panama-Kanal sowie intelligente Investitionen der öffentlichen Hand, etwa in die nachhaltige Holz- und Energiewirtschaft, finanzieren den Staat zu erheblichen Teilen unabhänig von Steuern und machen ihn trotz beachtlichen Wirtschaftswachstums zu einem der umweltfreundlichsten der Welt.

Aus ähnlichen Gründen ebenfalls sehr beliebt sind Paraguay und Costa Rica. Das Steuerrecht von Costa Rica ist allerdings komplizierter als das von Panama und arbeitet mit einem weiteren Begriff der Territorialität. Ein Online-Unternehmen, welches schwerpunktmäßig den europäischen oder nordamerikanischen Markt bedient, lässt sich allerdings in aller Regel auch steuerfrei von Costa Rica aus betreiben. Die Steueroase Costa Rica ist dabei die nachhaltigste Volkswirtschaft auf dem Planeten.

Angesichts dieser Faktenlage erscheint es geradezu grotesk, dass Europa seinen aggressiven Kampf gegen die Steuervermeidung damit begründet, dass zum Klimaschutz größere Mengen an Steuergeld notwendig seien und Steuervermeidung zu Lasten des Klimas gehe. Immerhin lassen Niedrigsteuerländer wie Panama und Costa Rica mit ihrer nachhaltigen Wirtschaft Europa alt aussehen. Aber wenn es um das Steueraufkommen geht, hören in Europa der Spaß und die Fakten auf.

Das Territorialsteuerprinzip ist ein global sehr verbreitetes Paradigma der Besteuerung und wird – gerade etwa in Lateinamerika – teilweise von äußerst zukunftsfähigen Staaten angewendet, die zudem auch mit die höchste Lebensqualität auf der Welt bieten. Die intelligente Nutzung eines Territorialsteuersystems kann insofern als sicherer und angenehmer Weg dienen, seine Einkommenssteuerpflicht legal zu beenden.

Non-Dom-Status und steuerliche Sonderprogramme

Einige Länder bieten die Möglichkeit, einen steuerlichen Sonderstatus zu erhalten und mittels diesem Steuerfreiheit auf ihr Einkommen aus ausländischen Quellen zu erlangen. In erster Linie kommt hier der Status als non-domiciled individual oder non-domiciled resident in Betracht. Diese sind in einigen derjenigen Rechtsordnungen zu finden, welche vom englischen Common Law stark geprägt sind, neben dem Vereinigten Königreich sind dies etwa Irland, Zypern und Malta.

Die Rechtsfigur existiert nicht in jeder Common Law-Jurisdiktion. In den USA, Kanada, Australien und Neuseeland ist sie in dieser Form nicht zu finden.

Der Non-Dom-Status hängt dabei an unterschiedlichen Kriterien, die meist zur Feststellung der Verwurzelung dienen: wer kein Staatsbürger des betreffenden Staates ist und beispielsweise in erster Generation eingewandert (die zweite ist in der Regel auch kein Problem, solange die Eltern sich nicht haben einbürgern lassen) ist, hat die Chance, als Non-Dom anerkannt zu werden. Welche konkreten Vorteile dies mit sich bringt, hängt vom Recht des jeweiligen Landes ab. In Irland müssen Non-Doms beispielsweise keine Steuern auf Einkommen zahlen, dass aus nicht-irischen Quellen stammt und auch nicht nach Irland transferiert wird. Der Betrieb einer Auslandsfirma unter Thesaurierung der Gewinne auf einem nicht-irischen Konto dieser Gesellschaft ist also steuerfrei möglich.

Während die Rechtsfigur des non-domiciled resident dem Common Law entstammt und nur in Staaten zu finden ist, die vom Common Law geprägt sind, haben auch andere Länder die Vorteile erkannt, die ihnen aus der Gewährung eines steuerlichen Sonderstatus an wohlhabende Ausländer erwachsen. So gewähren auch Portugal und Südkorea gebietsfremden Personen temporäre Steuerfreiheit auf ihr Auslandseinkommen.

In Italien können Ausländer eine optionale Pauschalsteuer von 100.000 € im Jahr zahlen und somit ebenfalls für bis zu 15 Jahre ihr gesamtes Auslandseinkommen von Steuern befreien lassen. Bei einem jährlichen Einkommen von 2.000.000 € entspräche dies effektiv einem Steuersatz von 5 % – Steuerfreiheit sieht zwar anders aus, aber gemessen an der Lebensqualität, die Italien bietet, kann dies unter Umständen ein durchaus attraktives Angebot sein. Das sogenannte Ley Beckham in Spanien geht in eine ähnliche Richtung, auch wenn es sowohl im Hinblick auf die Dauer als auch auf die Gestaltungsspielräume stärker beschränkt ist.

Neben den nominalen Steuersätzen sollten bei der Planung der eigenen Steuerfreiheit also auch die Möglichkeiten eines steuerlichen Sonderstatus wie dem des Non-Dom in Betracht gezogen werden. Da diese Programme allerdings in der Regel zeitlich begrenzt sind, mit Nachweispflichten einhergehen und nur in Ausnahmefällen vollkommene Steuerfreiheit erlauben, sind sie im Sinne dieses Artikels eher zweite Wahl.

Perpetual Traveling: kein Wohnsitz

Die letzte erwähnenswerte Methode, seine persönliche Einkommens-steuerpflicht loszuwerden, ist es, gar keinen Wohnsitz oder feststellbaren Lebensmittelpunkt zu haben. Technisch gesehen funktioniert dies und ist auch vollkommen legal. In der Praxis wird könnte letzte zuständige Finanzamt versuchen, dem Perpetual Traveler einen Wohnsitz im eigenen Land und somit die unbeschränkte Einkommenssteuerpflicht zu unterstellen. Der Nachweis, keinerlei Wohnsitz zu haben, kann sich dabei relativ schwierig gestalten. In unserem Beitrag zum digitalen Nomadentum sind wir bereits auf das Problem eingegangen:

Die Methode der Wohnsitzlosigkeit muss dabei nicht zwangsläufig mit ständigem Reisen einhergehen. Denkbar ist es auch, sich zwei oder drei Länder auszusuchen, in denen sich die Entstehung der Steuerpflicht gut umgehen lässt, und zwischen diesen dann zu pendeln. Für die meisten Menschen, die einen festen Lebensmittelpunkt bevorzugen, dürfte dieser Weg der legalen Steuervermeidung dennoch einen zu starken Einschnitt im persönlichen Lebensstil bedeuten.

Fazit

Es gibt im Wesentlichen drei Möglichkeiten, sich legal von seiner persönlichen Einkommenssteuerpflicht zu befreien: die Aufgabe jeglichen Wohnsitzes, ein Wohnsitz in einem Land ohne Einkommenssteuern oder die Wohnsitznahme in einem Land mit Territorialbesteuerung. Die Aufgabe jeglichen Wohnsitzes bedingt einen speziellen Lebensstil, der nicht jedermanns Sache ist, und ist zudem mit hohem Nachweisaufwand verbunden. Länder ohne Einkommenssteuer gibt es, sie sind allerdings meist relativ speziell und ebenfalls nicht jedermanns Sache. Territorialbesteuerung indes ist in vielen schönen und sicheren Ländern zu finden und kann der optimale Weg zu einem steuerfreien Leben ohne jegliche Abstriche in puncto Lebensqualität sein – allen voran selbstverständlich in Panama, der Schweiz Lateinamerikas.

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