Ethereum stellt auf Proof of Stake um

Das Ethereum-Netzwerk, dessen Kryptowährung Ether die nach Marktkapitalisierung zweitgrößte der Welt ist, stellt zwischen dem 10. und 20. September 2022 vom Proof of Work (PoW) auf ein Proof of Stake (PoS)-Protokoll um.

Konsensusprotokolle dienen zur Validierung neuer Daten auf einer Blockchain, etwa einer Transaktion zwischen zwei Wallets. Hat ein Miner im Netzwerk die Verifizierungsoperation (eine komplexe Rechenoperation) vervollständigt, so müssen die Nodes im Netzwerk das Ergebnis der Berechnung überprüfen und bestätigen. In einem PoW-Protokoll werden die für die Verifizierung erforderlichen Stimmrechte anhand der Arbeitsleistung zugeteilt, die ein Akteur bisher ins Netzwerk eingespeist hat. In einem PoS-Protokoll ist lediglich die Menge an gehaltenen Token maßgeblich. PoS-Protokolle sind wesentlich simpler und ihre Durchführung daher weniger energieaufwendig als PoW-Protokolle, in denen die gesamte eingebrachte Rechenleistung eines Akteurs im Netzwerk nachvollzogen und validiert werden muss. Die Ethereum Foundation führte zur Begründung für den Schritt eben diesen Aspekt an und rechnete vor, das Netzwerk könne durch die Umstellung über 99 % der benötigten Energie einsparen.

PoW-Protokolle sind allerdings wesentlich sicherer als PoS-Protokolle. Angriffe auf das Netzwerk sind praktisch nicht möglich, da jedem Miner für immer seine Stimmrechte erhalten bleiben. Wer das Netzwerk übernehmen und zu seinen Gunsten manipulieren will, muss mehr Energie aufwenden, als es alle am Netzwerk beteiligten Akteure vor ihm insgesamt getan haben. In einem PoS-Protokoll bedarf es lediglich der (wirtschaftlich einfach zu erlangenden) Kontrolle über die Mehrheit aller Token. Das PoS-Protokoll spart insofern Energie, ist allerdings so unsicher, dass der Betrieb als Blockchain de facto keinen Sinn mehr ergibt (denn diese dient ja gerade der Dezentralisierung und der Resilienz des Netzwerkes).

Allein die Tatsache, dass die Ethereum Foundation im Alleingang eine Änderung des Netzwerkes beschließen kann, zeigt, dass Ethereum zentralisiert ist. Dies stellt per se ein Risiko dar, da es in einem zentralisierten Netzwerk einen einzigen Akteur gibt, der leicht zum Ziel von Angreifern oder Regulierungsbehörden werden kann. Kontrollieren diese den zentralen Akteur, kontrollieren sie das Netzwerk.

Das einzige Netzwerk, das sicher und vollständig dezentralisiert ist, ist das Bitcoin-Netzwerk. Mithin ist es auch das einzige Krypto-Netzwerk, das ein hohes Sicherheitsniveau bietet. Es ist, realistisch betrachtet, nicht möglich, Bitcoin zu übernehmen oder zu regulieren. Fälle von Bitcoin-Diebstahl durch Hacking, wie sie in den Medien gelegentlich auftauchen, finden niemals auf der Blockchain statt, sondern darüber, dass Wallet-Inhaber ihre private keys in unsicherer Art und Weise aufbewahren. Dies liegt jedoch vollständig in der Verantwortung und Einflusssphäre der Betroffenen. Bitcoin ist als Wertspeicher und Zahlungsmittel sicher, Ethereum nicht.

Ethereum verspricht sich von der Umstellung, wegen des Energieverbrauches im Vergleich zu Bitcoin als klimafreundlichere Kryptowährung wahrgenommen zu werden. Diese Begründung ist allerdings wenig tragfähig, da der enorme Energieaufwand für das Bitcoin-Mining im Wesentlichen aus erneuerbaren Energien stammt. Es ist auch damit zu rechnen, dass der Anteil erneuerbarer Energien im Netzwerk weiterhin zunehmen wird, da Bitcoin-Mininganlagen je nach Verfügbarkeit von Energie schnell hoch- und heruntergefahren werden können. In einem Stromnetz, das sich maßgeblich aus Solar- und Windenergie speist, kommt der Regulierung von Überspannungen eine hohe Bedeutung zu, da temporär überproduzierte Energie eine Gefahr für solche schwankungsintensiven Stromnetze darstellt. Angeschlossene Bitcoin-Miner können die überproduzierte Energie verbrauchen und sich bei niedrigerem Energie-Input automatisch wieder herunterfahren oder ihre Aktivität drosseln. Bitcoin-Mining kann somit die Schwankungen in Stromnetzen ausgleichen, die stark auf erneuerbare Energien setzen, und setzt dabei zugleich noch einen wirtschaftlichen Anreiz, diese zu nutzen. Bitcoin ist insofern kein Problem, sondern eher eine Lösung in Fragen der Klimafreundlichkeit. Während Europa also weiter Kohle und Gas verstromt, weil der Netzbetrieb allein mit erneuerbaren Energien nicht möglich sei, erfreut sich dieses sichere Zahlungsnetzwerk auf der anderen Seite des Atlantik (El Salvador, Panama, Honduras) zunehmender Beliebtheit.

Das Narrativ vom Umweltsünder Bitcoin wird leider von Politik und öffentlich-rechtlichen Medien nur allzu gerne bedient, da das unzensierbare Zahlungsnetzwerk das staatliche Monopol bedroht, den Zugang der Menschen zu Geld und Zahlungsdienstleistungen zu regeln. Der Energieverbrauch wird angesichts des Klimawandels dann regelmäßig als Totschlagargument angeführt, um das Netzwerk als unvertretbar zu brandmarken. Diese starke Politisierung wiederum führt dazu, dass der Preis von Bitcoin an den Kapitalmärkten nach wie vor stark volatil ist – gerade institutionelle Großinvestoren sind in aller Regel Fähnchen im Wind, wenn es um die politische Stimmung geht. Wer die Devisenmärkte und das Geschehen im Bankensektor (siehe Transmission Protection Instrument der EZB) jedoch aufmerksam beobachtet, weiß: Der Preis von Bitcoin in Euro ist unerheblich, denn Bitcoin wird noch existieren, wenn der Euro schon längst über den Jordan gegangen ist.

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